Stören Antibiotika bei Verdacht auf Knochen- und Gelenksentzündungen

Stören Antibiotika bei Verdacht auf Knochen- oder Gelenksentzündungen kurz vor einer Operation die Diagnosemöglichkeiten, da das Wachstum der Bakterien hierdurch unterdrückt wird? Eine Studie aus der Schweiz sagt nein. Eine Gabe innerhalb von 60 Minuten vor dem Eingriff beeinflusst die Diagnose von bakteriellen Infektionen anhand von Gewebebiopsien nicht. Dabei ist eine prophylaktische Antibiotikagabe bei orthopädischen Eingriffen insbesondere vor dem Einsetzen von Implantaten wichtig, da es ansonsten in seltenen Fällen zu Infektionen mit auf der Haut lebenden Bakterien kommen kann.

„Die Antibiotikaprophylaxe wird bei Verdacht auf eine orthopädische Infektion oft nicht durchgeführt, weil die behandelnden Ärzte befürchten, dass sie dann die bakterielle Ursache der Entzündung nicht mehr finden und folglich auch nicht gezielt behandeln können“, so die Infektiologin Dr. Yvonne Achermann, Oberärztin an der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene des Universitätsspitals Zürich.

Das Team aus der Schweiz wertete dazu im Rahmen einer retrospektiven Erhebung die Daten von 64 Patienten aus, bei denen nach ihrer Operation eine Infektion mit Cutibacterium acnes festgestellt worden war. Dieses Bakterium wurde für die Studie ausgewählt, da es langsam wächst und nicht so leicht zu diagnostizieren ist. Die meisten Patienten wiesen Infektionen in den Schultern und der Hüfte auf. Dabei zeigte sich, dass es hinsichtlich der Diagnose keinen Unterschied macht, ob der Patient vor dem Eingriff antibiotisch behandelt worden war oder nicht.

Referenzen

Anagnostopoulos A. et al: Die perioperative Antibiotikaprophylaxe hat keinen Einfluss auf die Zeit bis zur Positivität und den Anteil positiver Proben: eine Kohortenstudie von 64 Cutibacterium acnes Knochen- und Gelenkinfektionen, J Clin Microbiol, Januar 2018

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